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Ortschronik von Weingarts

Quelle: "Im Banne des Hetzlas" von J.M. Kaupert
Weingarts von oben

Im Südosten des Kunreuther Tales, unterhalb der früheren Burg Regensberg, liegt der Ort Weingarts. Urkundlich wird ,,Meingers" 1243 zum erstenmal genannt in der Aufzählung der ältesten nachweisbaren Ortschaften des Bistums Bamberg. Das Dorf hat seinen Namen wahrscheinlich von dem Bambergischen Dienstmannen Meinger, dem Heinrich IV. am 14.August 1089 sechs königliche Sölden im Dorfe Arinbach (Ehrenbach) geschenkt hatte. Darum wird auch Weingarts gedeutet ,,Zu Meingers Haus, Hof u. dgl." Heute noch spricht der Volksmund von ,,Meingisch".Seit 1248 gehörte ,,Meingers" zu dem unmittelbar landesherrlichen Besitz des Bistums Bamberg.


Im Rechtsbuch 1348 Friedrichs von Hohenlohe lesen wir: ,,Im Dorfe Meingers ist einguter Hof, den der Rendlein bebaut und ein Lehen, das der Rosprunner hat; diese habe Ulrich von Egloffstein und seine Brüder inne unter dem Namen eines Pfandes, doch solldarüber nachgeforscht werden." Im 15. und 16. Jahrhundert unterstand es dem Hochgericht Forchheim. Im 16. und 17 Jahrhundert mußten die Bauern von Weingarts ihren jährlichen Zins nach Regensberg zahlen.


Dieser betrug:

  • 56 Fronschnittage im Korn oder 11 Pfg. für einen,
  • 56 Fronschnittage im Haber oder 8 Pfg. für einen,
  • 4 Mähtage im Heu,
  • 4 Mähtage im Grummet,
  • 2 halbe Ackertage,
  • 4 Pferdefron.

Auf 4 Höfen das Hauptrecht:

  • beim Tode des Bauern das beste Pferd,
  • beim Tode der Bäuerin die beste Kuh.
  • 48 Gulden, 3 Pfund, 8 Pfg. Geldzins;
  • 30 Käse zu Weihnachten, 30 Käse zu Ostern, 30 Käse zu Pfingsten;
  • 54 Fastnachtshennen, 49 Herbsthühner, 7 Schock, 45 Eier,
  • 8 Sra Korn, 5 Sra Gerste, 22 Sra. Dinkel, 39 Sra. Haber.

Auch die 4 Judenfamilien mußten Schutzgeld geben (61 G., aus dem alten Zins- und Urbarienbuch von Regensberg.).


Nebenbei mußten noch die Bauern die Felder bebauen, säen, ernten, heimfahren, Holz hauen und Häuser bauen.


Da das Bistum Bamberg im Jahre 1607 eine Reihe von Ortschaften durch den ,,Silbernen Vergleich" an Nürnberg abtrat, wollte der Fürstbischof das Oberamt in Schellenberg im Jahre 1615 durch die Einverleibung des Amtes Regensberg mit den Ortschaften Dachstadt, Igensdorf, Pommer und Weingarts entschädigen. Nach der Zerstörung des Schlosses und Dorfes Schellenberg durch schwedische Truppen im Jahre 1630 wurde das Oberamt wieder nach Regensberg verlegt und später nach Marloffstein.


Im Jahre 1707 endete die Herrschaft Regensberg. Von Seiten des Fürstbistums aus wurde das Besitztum zerschlagen und verkauft. Am 3. September 1802 hörte das Fürstbistum auf zu bestehen. Es wurde eingegliedert in das Kurfürstentum Bayern. Am 1. Januar 1806 wurde es zum Königreich erhoben.


Weingarts im Zeichen von Kriegsgeschehen

Obwohl der Ort nicht an der großen Heeresstraße lag, so blieb er doch nicht verschont von Kriegsnot und Kriegsleid. In der Fehde zwischen den 27 schwäbischen und 4 fränkischen Städten (darunter Nürnberg) gegen einen Fürstenbund, dem auch der Fürstbischof von Bamberg angehörte, hatte auch Weingarts im ,,tätigen Krieg" von 1449/50 zu leiden. So wurde der Ort am 8. August 1449 in der Nacht von 300 Nürnberger Reisigen vollkommen niedergebrannt. Von Regensberg bis Forchheim loderten die Feuer in den Nachthimmel. Am 6. April 1450 holten sich die Nürnberber 59 Kühe, die vor dem Schlosse Regensberg weideten. Wahrscheinlich gehörte auch ein Teil des Viehes nach Weingarts. Da der Krieg nur in Uberfällen, Rauben und Niederbrennen bestand, nannte man ihn den ,,tätigen Krieg".


Im Bauernkrieg waren auch die Bauern von Weingarts dabei, als die Burg Regensberg gestürmt wurde, obwohl der Schloßherr Erhard Stiebar mit den Bauern sympathisierte. Während Weingarts im Preußenkrieg von Kriegsleid verschont blieb, brachte der Franzosenkrieg schweres Leid und bittere Not. 1796 war das Weingartser Tal Kriegsgebiet im Kampfe zwischen Franzosen und Osterreichern. Der Ort mußte viele Kriegskosten und Brandschatzungen bezahlen, so daß er die Kirchengelder von Regensberg als verzinsliches Kapital aufnahm. Die Summe betrug 577 fl. 30 kr. Auch die Einquartierungen drückten hart und vergrößerten die Not.


Einquartiert waren:

1 Sergeant und 25 Soldaten 13 Tage lang. später: 1 Capitän, 3 Leutnant, 33 Soldaten an 26 Tagen, bez. 10 und 9 Tagen. Der Capitän erhielt täglich 2 Liter Wein, die Leutnante je 1 Liter. Sie gehörten alle der 3. Komp. des 2. Bataillon der französischen Grenadiere an. In 63 Tagen wurden im Ganzen 986 Mahlzeiten ausgegeben, die einen Wert von 590 fl. darstellten.


Am 9. Dezember 1797 kam es zu einem kleinen Gefecht bei Rangen an der Grenzstraße. am 10. Dezember an der Waldlucke bei Regensberg und am Rödlaser Berg. Als sich General Jourdan mit seinen Franzosen auf dem Rückzug befand, kamen sie auch von Kasberg kommend über Regensberg durch Weingarts. Beim Beutner haben sie im Schlafzimmer die Betten durchstoßen und auf dem Hofe den Hühnern die Köpfe abgeschlagen und sie dann ins Zimmer geworfen. Nachts wurde ein Franzose beim Plündern überrascht und erschlagen. Man begrub ihn 500 m vom Ort entfernt links der Straße nach Kunreuth an der Espichstraße. Auch ein Gedenkstein wurde errichtet mit einem ausgehauenen Kürassierbrustschild auf der Vorder- und Rückseite. Nach Abzug der Franzosen pflanzte man auf das Grab einen Birnbaum. Im Volksmund nannte man die Früchte ,,Franzosenbirnen". Während eines Gewitters schlug später einmal der Blitz ein und vernichtete ihn.


Flurdenkmal

Am Wege nach Ermreus, 100 m westlich des Dorfes, steht ein Grenzstein. Die Ostseite des Steines zeigt das Wappen der Wiesenthauer, die von Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1675 die Burg Regensberg innehatten. Die Westseite ist stark verwittert. Das betreffende Wappen läßt sich deshalb nicht mehr feststellen.


Gemeinde Weingarts

Der Ort gehörte 1884 zur Pfarrei Leutenbach und umfaßte 60 Häuser mit 380 Einwohnern. Eingeschult waren Regensberg (1,5 km) und Oberehrenbach (2 km). Die Schulgemeinde umfaßte im ganzen 600 Seelen.
1914 wohnten 362 Einwohner (63 Familien) in 64 Häusern. Von der Gesamteinwohnerschaft waren 307 katholisch und 55 protestantisch. Der Ort liegt 351 m über dem Meere.

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